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Neues aus der Forschung

Neulich ist erschienen:

Heinrich Schepers
LEIBNIZ
Wege zu seiner reifen Metaphysik

Leibniz hat sein Projekt einer Scientia generalis, die das gesamte Wissen seiner Zeit in einer Enzyklopädie komprimieren sollte, vor seinen Zeitgenossen geheim gehalten. Bei einzelnen Briefpartnern versuchte er, Verständnis für Thesen seiner Metaphysik zu finden, ohne zu viel davon preiszugeben. Heinrich Schepers will in seinen Beiträgen dem nahe kommen, was Leibniz’ wahre Metaphysik ausmacht. Die Perzeption und der Appetitus sind die spontanen Handlungen, mit denen sich die Individuen selbst konstituieren. Die Kompatibilität ist die Relation, die sie auf die vielen möglichen Welten verteilt. Die sich dabei herausstellenden Grade der Perfektion machen die Wahl der besten unter ihnen möglich. Aus den spontanen Handlungen der einfachen Substanzen leitet Leibniz seine Begriffe von Raum und Zeit ab. Tragend für diese Theorie ist sein konzeptualistischer Gottesbegriff, demzufolge nicht allein die Essenzen, sondern alles Denkbare in Form vollausgebildeter Subjekte materiell Gottes Verstand ausmachen, so wie das formell die notwendigen Wahrheiten leisten.

Akademie Verlag
ISBN 978-3-05-005900-6

 

Theoria cum Praxi. Aus der Welt des Gottfried Wilhelm Leibniz. Beiträge anlässlich der Ausstellung Gottfried Wilhelm Leibniz: Philosoph, Mathematiker, Physiker, Techniker, 10. Juli bis 4. Oktober 2002. (= Österreichische Akademie der Wissenschaften, mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse. Veröffentlichung der Kommission für Geschichte der Naturwissenschaften, Mathematik und Medizin Nr. 63). Wien 2012. 242 S. ISBN 978-3-7001-7060-0.

Dreißig Prozent des Bandes nehmen vier Vorträge ein, die im Rahmen der Ausstellung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gehalten worden sind. Erwin Stein (Hannover), der Initiator der Ausstellung, sprach über "Gottfried Wilhelm Leibniz - far ahead of his time as a Philosopher, Mathematician, Physicist, Engineer". Jürgen Mittelstraß (Konstanz) referierte über "Leibniz's World: Calculation and Integration". Heinz Zemanek (Wien) steuerte einen Aufsatz zum Thema "Leibniz und der Computer" bei. Ein Beitrag zum Thema "Leibniz und der Bergbau" stammt von Günter B. L. Fettweis (Leoben).

Den überwiegenden Teil des Bandes bilden jedoch die Ergebnisse eines Projekts zum Thema "Leibniz in Wien", das von Lore Sexl (Wien) durchgeführt wurde. Mit vielen belegenden Fußnoten werden die Grundzüge von Leibniz' Leben dargestellt, vor allem aber liegt der Schwerpunkt auf Leibniz' verschiedenen Akademie-Projekten der verschiedensten Art, unter denen die Gründung in Berlin und die Planungen für Leipzig, St. Petersburg und Wien die bekanntesten sind. Besonders hervorzuheben ist die detaillierte Nachzeichnung von Leibniz' Bemühungen in Wien während seiner insgesamt sieben Aufenthalte dort. Die Darstellung ist informativ, hat neueste Sekundärliteratur verarbeitet und gibt, soweit das noch möglich ist, auch Auskunft über Leibniz' Wohnorte während seiner Aufenthalte in Wien.

(Herbert Breger)

 

Ausgewiesene Fachkenner fragen nach Leibniz' Wirkung in den Wissenschaften und in der Entwicklung der Wissenschaftstheorie im 19./20. Jahrhundert:

New essays on Leibniz reception in Science and Philosophy of Science 1800-2000.

Ed. by Ralf Krömer and Yannick Chin-Drian, Publications of the Henri Poincaré Archives/Science around 1900, Basel: Birkhäuser 2012

Dieser Band vereint auf ca. 280 Druckseiten Beiträge zu einer internationalen Tagung, die 2008 am "Laboratoire d'Histoire des Sciences et Philosophie (LPHS)-Archives Henri Poincaré" (UMR7117 CNRS) in Nancy stattgefunden hat. Die Thematik ist von großer Bedeutung für die Wissenschaftsgeschichte, zugleich aber in der vorhandenen Literatur noch wenig aufgearbeitet. Der Band enthält auch bisher unveröffentlichte Auszüge aus dem Briefwechsel Reichenbach-Mahnke. Die einzelnen Beiträge:

Philippe Séguin, The Idea of Number from Gauss to Cantor. The Leibnizian Heritage and its surpassing

Volker Peckhaus, The Reception of Leibniz' Logic in 19th Century German Philosophy

Françoise Willmann, Leibniz's Metaphysics as an Epistemological Obstacle to the Mathematiziation of Nature: The View of a Late 19th Century Neo-Kantian. Kurd Lasswitz

Erika Luciano, Peano and His School Between Leibniz and Couturat: The Influence in Mathematics and in International Language

Anne-Françoise Schmid, Couturat's Reception of Leibniz

Nicholas Griffin, Leibniz, Russell and the Classification of Propositions

Jean Seidengart, Cassirer, Reader, Publisher, and Interpreter of Leibniz's Philosophy

Vincenzo De Risi, Leibniz on Relativity. The Debate between Hans Reichenbach and Dietrich Mahnke on Leibniz's Theory of Motion and Time

David Rabouin, Interpretations of Leibniz' Mathesis Universalis at the Beginning of the XXth Century

Erhard Scholz, Leibnizian Traces in Hermann Weyl's "Philosophie der Mathematik und Naturwissenschaft"

Gabriella Crocco, Gödel, Leibniz and "Russell's Mathematical Logic"

Herbert Breger, Chaitin, Leibniz, and Complexity

Näheres zum Buch zu finden unter http://www.springer.com/mathematics/history+of+mathematics/book/978-3-0346-0503-8

 

Drei neue Bände der Leibniz-Akademieausgabe erschienen:

Gottfried Wilhelm Leibniz. Sämtliche Schriften und Briefe
Erste Reihe: Allgemeiner politischer und historischer Briefwechsel
Band 22, Januar - Dezember 1703

Der Band 22 umfasst das Jahr 1703 und darin 451 Briefe. Er zeigt Leibniz als Beobachter des politischen Geschehens (Spanischer Erbfolge¬krieg, Nordischer Krieg, Aussöhnung zwischen den Welfenhöfen) und in einem fruchtbaren philosophisch-theologischen Dialog mit der preußischen Königin Sophie Charlotte an der Schwelle zu seinem Spätwerk. Sein monatelanger Berlin-Aufenthalt führt zu einer intensiven Korrespondenz mit dem heimatlichen Hof und macht den Band zu einem reichen Quellenwerk für die hannoversche Hof- und Stadtgeschichte.

Gottfried Wilhelm Leibniz. Sämtliche Schriften und Briefe
Dritte Reihe: Mathematischer, naturwissenschaftlicher und technischer Briefwechsel
Band 7, Juli 1696 - 1698

Band 7 des Mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Briefwechsels von Leibniz gibt Einblicke in die Entstehung einer außerordentlich wichtigen mathematischen Theorie, der Variationsrechnung. Am Wettbewerb um das Brachistochronen-Problem beteiligen sich Leibniz, Newton und die Brüder Bernoulli. Auch technische Themen (Fontänenanlage in Herrenhausen, Hochofen, Glasherstellung, Dampfkraft) werden in der Korrespondenz behandelt.

Gottfried Wilhelm Leibniz. Sämtliche Schriften und Briefe
Vierte Reihe: Politische Schriften
Band 7, 1697 - Anfang 1699

Der Band enthält in 8 Abteilungen ca. 184 Schriften. Zunächst bestimmt der Tod von Kurfürst Ernst August im Februar 1698 die dynastische Politik: Leibniz verfasst eine umfangreiche biographische Würdigung. Das Welfenhaus wird nun jedoch von der Nachfolgeregelung erschüttert. Die jüngeren Brüder des neuen Kurfürsten wehren sich gegen die testamentarisch etablierte Primogeniturordnung, zu deren Befürwortern Leibniz gehört. Weiterhin kämpft er mit publizistischen Mitteln um die diplomatische Anerkennung der Neunten Kur.

Das ökumenische Gespräch mit der katholischen Seite kommt 1697/98 wieder in Gang, aber der Schwerpunkt der kirchenpolitischen Aktivitäten liegt auf den Verhandlungen über eine Union der evangelischen Kirchen. Mit dem "Unvorgreifflichen Bedencken" antworten Leibniz und G. W. Molanus auf den Berliner Hofprediger D. E. Jablonski. Bisher lag diese Schrift nur in Auszügen gedruckt vor, jetzt wird sie in zwei Fassungen ediert, deren Vergleich neues Licht auf Leibniz' ökumenisches Konzept wirft.

Auf Russland und China richtet Leibniz weiterhin seine Aufmerksamkeit. Daneben interessiert er sich für den Torfabbau und entwickelt Pläne gegen die Teuerung der Lebensmittel. Wichtige familiäre Ereignisse im Welfenhaus begleitet er mit Gedichten. Als subtiler Beobachter der Gelehrtenrepublik kommentiert er ihre Leistungen, aber auch ihren Klatsch.

 

Folgende Publikation widmet sich spezifisch dem philosophischen theologischen und politischen Denken von Leibniz

Friedrich Beiderbeck, Stephan Waldhoff (Hrsg.)
Pluralität der Perspektiven und Einheit der Wahrheit im Werk von G. W. Leibniz
Beiträge zu seinem philosophischen, theologischen und politischen Denken
2011. XVIII, 290 S., gebundenISBN 978-3-05-004466-8, Akademie Verlag

Mit Beiträgen von:
Luca Basso, Friedrich Beiderbeck, Daniel J. Cook, Nora Gädeke, Ursula Goldenbaum, Wenchao Li, Rüdiger Otto, Hans Poser, Patrick Riley, Jaime de Salas, Brigitte Saouma, Heinrich Schepers, Martin Schneider, Lloyd Strickland und Stephan Waldhoff

Gottfried Wilhelm Leibniz war der vielleicht letzte europäische Denker, der das Wissen und den gelehrten Diskurs seiner Zeit noch überblicken konnte. Dabei leitete ihn die Überzeugung, dass die Wahrheit erst in der Pluralität der Perspektiven erfahrbar werde. Dieses ebenso spannungsreiche wie produktive Verhältnis von Einheit und Pluralität erkunden die Autoren der Beiträge auf drei im Leibnizschen Werk eng miteinander verbundenen Gebieten: der Philosophie, der Theologie und dem politischen Denken.

Ausgehend von den philosophischen Grundlagen wird die Theologie in Leibniz’ Gesamtkonzept der Wissenschaften und besonders angesichts seiner Auseinandersetzung mit der religiösen Pluralität untersucht, seine Bemühungen um die Vereinigung der christlichen Konfessionen und sein Interesse für fremde Religionen und Kulturen. Sein politisches Denken und seine politische Tätigkeit bilden den Prüfstein für die angestrebte Verbindung von Theorie und Praxis. Ein abschließender Blick gilt seiner Rezeption auf diesen Gebieten. Ein Merkmal mehrerer Beiträge ist die präzise Arbeit an Texten zu China, zur Auseinandersetzung mit Thomasius und zum ökumenischen Gespräch, die erst seit kurzem oder noch gar nicht in einer kritischen Edition vorliegen.

 

Leibniz’ mathematische Zeitschriftenartikel liegen in deutscher Übersetzung vor

Gottfried Wilhelm Leibniz: Die mathematischen Zeitschriftenartikel. Übersetzt und kommentiert von Heinz-Jürgen Heß und Malte-Ludolf Babin. Mit einer CD:
Die originalsprachlichen Fassungen. Georg Olms Verlag, Hildesheim, Zürich, New York 2011. 547 S.


Gottfried Wilhelm Leibniz zählt zu den bedeutendsten Mathematikern überhaupt, dennoch ist es für Schüler, Lehrer, Studenten, Hochschullehrer und andere Interessierte sehr schwer, sich einen Eindruck von seinem mathematischen Werk zu verschaffen. Die von Leibniz selbst veröffentlichten Texte sind Zeitschriftenartikel in lateinischer, mitunter auch in französischer Sprache. Außer der Sprachbarriere findet der Leser aber auch mathematikhistorische Barrieren vor; Voraussetzungen, Argumentationsweise und Bezeichnungsweise weichen meist deutlich und mitunter stark vom in der heutigen Mathematik Üblichen ab. Hinzu kommen eine größere Anzahl von Druckfehlern in den zeitgenössischen Drucken sowie von kleineren Irrtümern von Leibniz selbst. All dies erschwert die Lektüre mitunter sehr. Bisher sind lediglich acht der mathematischen Zeitschriftenartikel von Leibniz in deutscher Sprache veröffentlicht worden, und zwar in einem dünnen Büchlein von 1908, das 1920 und 1998 nachgedruckt wurde.
Das vorliegende Buch enthält nun aber sämtliche 63 mathematischen Zeitschriftenartikel von Leibniz in deutscher Übersetzung. Damit können sich zum ersten Mal auch Nicht-Spezialisten einen fundierten Eindruck von Leibniz' mathematischen Leistungen verschaffen.

Eine größere Anzahl von Stichproben erwies, dass die Übersetzung zuverlässig ist und mit großer Sachkompetenz ausgeführt wurde. Die Herausgeber haben in ebenso mühevoller wie sorgfältiger Arbeit alle Rechnungen überprüft, so dass jeweils die Druckfehler in den Erstveröffentlichungen korrigiert werden konnten. Auf die kleineren Fehler von Leibniz selbst wird von den Herausgebern jeweils in Erläuterungen hingewiesen. Auch die Verwendung der heutigen mathematischen Notation und Formelschreibweise ist für den Leser eine Hilfe. Insgesamt wird so ein gutes und rasches Verständnis der Texte möglich. Zumindest der weit überwiegende Teil der Texte ist für einen Abiturienten mit guten Mathematik-Kenntnissen verständlich. (Herbert Breger)

 

Junger italienischer Leibniz-Forscher hat eine interessante Monographie über Leibnizens Lehre der Geister und Engel vorgelegt

Mattia Geretto: L’angelologia leibniziana, Rubbettino 2010.

Mattia Geretto graduated in philosophy at the University of Padova in 1999. In 2004 he took a PhD in philosophy at the university of Perugia. During his doctorate, he spent long periods abroad (Berlin, Muenster, Hannover and Paris). In 2006-2007, he was appointed with a DAAD fellowship to pursue his research in Berlin and Potsdam. In 2009-2010, he obtained a scholarship from the Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel for a research project entitled “Creation and Glory in Leibniz’s Theodicy” (on which he is still working now).

L’angelologia leibniziana is a close examination of Leibniz’s philosophy focusing on the controversial presence of subjects as angels, genii and demons in his works. The book is divided into three parts. In the first one, the author presents a broad and very detailed list of relevant extracts from Leibniz’s whole opus philosophicum (from the first academic writings to the last works). In the second part, he highlights the more problematic texts amongst those previously listed, with the aim of providing them with a systematic order. This part is preceded by a short “doctrinal intermezzo” consisting of an essential biblical framework for the supernatural figure of the angels. Finally, the author analyzes the role of some specific angelological doctrines in the formation of the Leibnitian system: the idea of species infima; the scholastic doctrines about the spatial collocation of the angels and, especially, the doctrine of the corporeity sui generis, which is the red thread of this book.

 

Neulich ist erschienen:

Rolf Wernstedt:

Leibniz in der Gegenwart. Beiträge zu Aktualisierungspotentialen Leibnizschen Denkens.
Mit einem Text von Gerhard Schröder. Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft, Hannover 2010, 115 Seiten, ISBN 978-3-9808167-3-1.

Der Autor ist Präsident der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft. Bei den in dem Band gesammelten Texten handelt es sich um Vorträge, Einleitungen, Aufsätze und gelegentliche Arbeiten aus aktuellen Anlässen, die der Autor seit 2004 gehalten und verfasst hat.

"Aus der Politik kommend und daher auch denkend" (S. 38) unternimmt der Autor, langjähriger Kultusminister des Landes Niedersachsen und zuletzt Landtagspräsident, 11mal Versuche, das eigentliche Potential des Leibnizschen Denkens für die Gegenwart auszuloten, indem er sich auf ihn einläßt (vgl. Vorrede). So bietet das Büchlein immer wieder überraschende Denkansätze und aktuelle Bezüge, die in der weitgehend akademisch geprägten Leibnizforschung eher selten anzutreffen sind.

Der Vortrag "Vernunft und Glaube: Leibniz - Ratzinger - Huber und der Islam" (S. 42 - 45) nimmt z. B. Bezug auf die umstrittene Rede Papst Benedikts XVI. in Regensburg. In "Leibniz als Politikberater" behandelt der erfahrene Politiker "Richtige Gedanken zur falschen Zeit sind in der Politik immer falsch" (S. 60 - 74). Als Vordenker des heutigen Versicherungssystems fehlt Leibniz ebensowenig in "Macht und Ohnmacht der Länderparlamente" (S. 46 - 55) wie in "Glanz und Elend der Politik in der Finanzkrise" (S. 83 - 102).

Dass der Universalgelehrte inzwischen gar als "Ehrenschlaraffe Integral" in die "Schlaraffia Hannovera" aufgenommen worden ist, erfährt der Leser spätestens duch die am 20. März 2010 im Festsaal der Börse in Hannover gehaltene "Laudatio" (S. 103 - 109).

Der Band wird abgeschlossen durch eine Rede von Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder am 18. Dezember 2008 zum Erscheinen des in Potsdam bearbeiteten Bandes IV.6 der Leibniz-Akademie-Ausgabe mit den Novissima Sinica (Das Neueste aus China).

Interessierte am Buch wenden sich bitte an die Gottried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft, infoleibniz-gesellschaft.de